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Cover von „Geschichte als absoluter Begriff“

Ein Buch bei Eselsohr

Geschichte als absoluter Begriff

Wilhelm Schmidt-Biggemann

der Lauf der neueren deutschen Philosophie

Erschienen
1991
Seiten
128
Verlag
Suhrkamp

Klappentext

Begriffe stellen Ansprüche. Man benutzt sie nicht ohne Risiko. Wahrscheinlich beherrschen wir ihre Semantik nicht so, wie diese Semantik uns beherrscht. Für den Begriff Geschichte ist das offensichtlich. Geschichte ist einer von den Begriffen, die ein Erklärungsmonopol beanspruchen. Dieser Anspruch zeigt sich in Wendungen wie »Eigentlich ist alles ...«, z.B. geschichtlich. Der Geschichtsbegriff ist nur ein Kandidat solcher absoluten Bedeutungsansprüche. Auch »Möglichkeit« - alles ist möglich, »Natur« - auch das Unnatürliche ist irgendwo natürlich, oder »Gott« -ein Auge, das alles sieht, haben einen absoluten Bedeutungsanspruch, auch sie lassen in ihrem Kraftfeld keine Adiaphora zu. Absolute Begriffe wie Geschichte machen durch ihren Absolutismus alle anderen Begriffe von sich abhängig. Sie sind wie Magnetfelder, die alles auf ihren Bedeutungsbereich einrichten. Absolute Begriffe entfalten ihr Bedeutungspotential nicht auf einmal. Ihre Fruchtbarkeit und ihre Aporien zeigen sich im Verlauf ihrer Arbeit. Die Begriffsarbeit vollzieht sich im Habitus, den der Begriff in den Subjekten, die ihn benutzen, erzeugt. Der habituelle Historiker denkt eben historisch. Einen solchen Habitus können, wenn sie durch einen historischen Begriff geprägt sind, ganze Epochen bekommen. Der Leitbegriff bestimmt dann den Charakter einer Epoche. Der vorliegende Essay versucht, die vom Geschichtsbegriff eröffneten Denkmöglichkeiten, so, wie sie die neuere deutsche Philosophie prägen, in der gebotenen Konsequenz darzustellen. Herders Sprach- und Geschichtsphilosophie eröffnet die Karriere des Begriffs. Die destruktive Potenz des absoluten Begriffs von Geschichte erweist sich in Nietzsches Zerstörung der Metaphysik, in Max Webers Rationalisierung der Angst und in Carl Schmitts Säkularisations- und Souveränitätskonzept. Diese Auflösung der stabilen Begrifflichkeit im absoluten Begriff von Geschichte konstatiert Heideggers Spätphilosophie »Vom Ereignis« ebenso wie Adornos negative Dialektik der Entzweiung. Es zeigt sich, daß der Geschichtsbegriff nicht zu bändigen ist.

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